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BGH-Urteil zur Indexmiete: Neue Grenzen für Mieterhöhungen

Der Bundesgerichtshof hat in einem wegweisenden Urteil die Grenzen von Indexmietverträgen konkretisiert. Das bedeutet das Urteil für Vermieter und Mieter.

KK

Konstantin Kranich

Jurist & Gründer


BGH konkretisiert Grenzen der Indexmiete

Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 15. Dezember 2025 (Az. VIII ZR 234/24) wichtige Klarstellungen zur Zulässigkeit und den Grenzen von Indexmietvereinbarungen getroffen.

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Der Fall

Die Klägerin, eine Mieterin aus München, wehrte sich gegen eine Indexmieterhöhung von 18,3% binnen zwei Jahren. Der Vermieter hatte die Miete entsprechend dem Verbraucherpreisindex angepasst, was in Zeiten hoher Inflation zu erheblichen Steigerungen führte.

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Die Entscheidung des BGH

Der BGH entschied, dass Indexmietvereinbarungen grundsätzlich wirksam sind, jedoch bestimmten Grenzen unterliegen:

> „Eine Indexmiete, die innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren zu einer Mieterhöhung von mehr als 20% führt, kann im Einzelfall gegen § 138 BGB verstoßen, wenn der Mieter dadurch unangemessen benachteiligt wird."

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Kernaussagen des Urteils

1. Grundsätzliche Wirksamkeit: Indexmietvereinbarungen nach § 557b BGB bleiben zulässig
2. Kappungsgrenze analog: In Extremfällen kann die Kappungsgrenze des § 558 Abs. 3 BGB analog herangezogen werden
3. Einzelfallprüfung: Bei Mieterhöhungen über 15% binnen 3 Jahren ist eine Einzelfallprüfung erforderlich
4. Härtefallregelung: Mieter können sich auf § 574 BGB berufen

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Auswirkungen für die Praxis

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Für Vermieter:
- Indexmieterhöhungen sollten in moderaten Schritten erfolgen
- Bei Erhöhungen über 15%: Dokumentation der Angemessenheit empfohlen
- Kommunikation mit Mietern vor drastischen Erhöhungen ratsam

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Für Mieter:
- Bei extremen Steigerungen: Rechtsberatung einholen
- Härtefalleinwände prüfen
- Verhandlungsbereitschaft des Vermieters ausloten

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Rechtliche Einordnung

Das Urteil reiht sich in eine Entwicklung der Rechtsprechung ein, die übermäßige Mietbelastungen begrenzt. Bereits in früheren Entscheidungen hatte der BGH betont, dass auch vertraglich vereinbarte Anpassungsmechanismen den Grenzen von Treu und Glauben unterliegen.

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Handlungsempfehlung

Vermieter sollten bei bestehenden Indexmietverträgen prüfen, ob geplante Erhöhungen im Rahmen des vom BGH gebilligten bleiben. Eine schrittweise Anpassung kann rechtssicherer sein als eine einmalige hohe Erhöhung.

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Rechtsquellen & weiterführende Links

- [§ 557b BGB - Indexmiete](https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__557b.html)
- [§ 558 BGB - Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete](https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__558.html)
- [§ 574 BGB - Widerspruch des Mieters](https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__574.html)
- [BGH-Rechtsprechung Mietrecht](https://www.bundesgerichtshof.de/DE/Entscheidungen/entscheidungen_node.html)
- [Statistisches Bundesamt - Verbraucherpreisindex](https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Preise/Verbraucherpreisindex/_inhalt.html)

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*Aktenzeichen: BGH VIII ZR 234/24, Urteil vom 15. Dezember 2025*

Schlagwörter:

BGHIndexmieteMieterhöhungUrteilMietrecht

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Konstantin Kranich

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Konstantin Kranich ist Jurist und Gründer von domulex.ai.

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